Kirche² – Ideen, Projekte und großartige Menschen

Jetzt habt ihr 48 Stunden Zeit, die Idee von Kirche² bei euch zu Hause auf den Weg zu bringen – so etwa hieß es in einem der Hauptplena. Und welche Idee war das? Wenn man es genau nimmt, war es nicht nur eine Idee, es waren tausende neue Ideen, tausende gute Projekte und mehr als tausend katholische wie evangelische Menschen, die miteinander ihre Freude am Glauben und an der Kirche teilten. Nein, es ging nicht darum sich selbst zu beweihräuchern und zu sagen, wie toll alles in der Kirche läuft, es ging um eine Fülle von Neuanfängen, die gewagt wurden, weil etwas nicht so gut lief.

Etwas völlig Neues ereignete sich beispielsweise am Abend der Vorkonferenzen, der erste Preacherslam – eine Art Poetryslam, bei dem weltliche Poeten auf Prediger treffen und vor Publikum ihr Können unter Beweis stellen – fand in der Jugendkirche Hannover statt.


Eines der Projekte, die ich mir anschauen konnte, war das auch für lippische Gemeinden interessante Konzept einer Citykirche auf dem Land. Vorgestellt wurde die Arbeit der Kirchengemeinde Harpstedt, die zwar weit größer ist, als die typische lippische Dorfgemeinde, aber unter ähnlichen strukturellen Problemen leidet. Der Ausgangspunkt dieses Konzept war eine notwendige Renovierung, zu der allerdings das Geld fehlte. Aus der darauf folgenden Fundraisingaktion entstanden Gruppen, Glaubenskurse und Aktionen, die bis heute Bestand haben. Als ein besonders wichtiger Faktor beim Bestehenbleiben stellte sich die öffentliche Wertschätzung der Arbeit der Ehrenamtlichen und die gute Öffentlichkeitsarbeit heraus. Eine schnelle Mitschrift mit vielen Tippfehlern, aber eben so vielen Impulsen ist hier zu finden.

Die Sprecherinnen und Sprecher waren durchweg hervorragend ausgewählt und verstanden es, das Publikum zu begeistern. Einfach großartig waren die Ausführungen von Nadia Bolz-Weber über ihre Gemeinde »House for all Sinners and Saints« und der Bericht über das Gemeindeprojekt e/motion in Essen von der Preacherslam-Gewinnerin Christina Brudereck.

Wie gut die Organisation von Kirche² war, lässt sich kaum in Worte fassen. Es war die erste Großveranstaltung, die ich erlebt habe, bei der es durchgehend Wlan und genug Steckdosen für die Onliner gab, eine Rundumbetreuung für Standbetreiber und eine rundum professionelle Medienunterstützung. Der Livestream lief großartig und Twitteranfragen wurden prompt beantwortet. Wer einen Eindruck von der Kommunikation auf Twitter während des Kongresses gewinnen möchte, sei auf die Storify-Stories von Kilianmartin verwiesen. Wenn ich mich recht erinnere, wird momentan daran gearbeitet, die Videos der Plena online zur Verfügung zu stellen.

Ein schöneres Fazit als der anglikanische Bischof Nick Baines kann ich auch nicht ziehen, deshalb viel Spaß beim Weiterlesen 😉

PS: In eigener Sache: In wenigen Minuten werden mir per Post meine Themen für die Examensarbeit zugestellt. Wegen des erhöhten Arbeitsaufwandes kann es sein, dass es in diesem Blog einige Zeit ruhig wird. Aber denkt daran, evinlippe ist ein Mitmachprojekt, wenn ihr hier schreiben möchtet, meldet euch einfach (evinlippe[ät]yahoo.de)!

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Kirche²

„Was ist mein Traum von Kirche? Für welchen Gottesdienst lohnt es sich, sonntags morgens aufzustehen? Und wie sieht eine Gemeinde aus, zu der ich meine Freundinnen und Freunde einladen möchte?“

Diese und andere Fragen werden auf dem ökumenischen Kongress Kirche² (sprich: Kirche hoch zwei) zur Sprache kommen. Insgesamt 1000 Menschen werden sich in großen Vorträgen, aber auch in Workshops und Kleingruppen intensiv dazu Gedanken machen, wie es mit der Kirche weiter gehen kann. Spannende Ideen werden präsentiert, hervorragende Projekte vorgestellt und an neuen Konzepten gefeilt (⤷Programm). Es geht um Vernetzung, persönliche Gespräche, Forschungsergebnisse und Gedankenaustausch. Und all das findet im Kongresszentrum der Messe Hannover statt.

Ich bin einer der Glücklichen, die eine der begehrten Karten ergattern konnten und freue mich schon riesig auf diese besondere Art des Lernens und Entdeckens. Aber ihr müsst nicht traurig sein, wenn ihr nicht mit nach Hannover kommen könnt. Kirche² möchte nämlich auch euch mit dabei haben. Mit dem dem vollständig vorbereiteten Ablaufplan „Kirche² lokal“ braucht ihr eigentlich nur noch andere Interessierte einladen, es gibt sogar schon Einladungsvordrucke. Am 15. und/oder 16. Februar reicht ein PC mit Beamer und Boxen für den Livestream und das ausgedruckte Material. Es wäre toll, wen so etwas auch in Lippe stattfinden würde.

Werdet Teil von Kirche² !

PS: Vergesst bei dem Einladungen nicht, in die ökumenische Runde zu schauen, Gegensätze ziehen sich an 😉

Egal woher du kommst…

Dass ich manchmal mit Ohrwürmern aufwache, ist ja nichts Neues. Heute war es aber zur Abwechslung kein Choral, sondern das „Katastrophenkommando“* von den Toten Hosen.

Ich wurde gerade wach und dachte über die Videos nach, die der Studierendenkonvent auf Juist drehen wird. Dabei wanderten meine Gedanken unweigerlich zu meinem alerersten Videoprojekt im Jahr 1999. Damals gab es noch kein youtube und die Videoschnittmöglichkeiten waren für Privatleute relativ begrenzt. Der Vorabend meiner ersten Ferienfreizeit als Mitarbeiter musste für den ersten Take des geplanten Freizeitvideos herhalten. Als Motiv bot sich der riesige Haufen Freizeitmaterial an, den ich vor der sorgfältigen Verpackung in meinem Zimmer aufgetürmt hatte. In dem Wust konnte man, trotz der Aufnahmequalität der Kamera aus dem vorvorherigen Jahrzehnt, unter anderem einen Reiseführer, eine Gitarre und viele andere Dinge entdecken. Der passende Soundtrack für diesen Chaoshaufen (damit meine ich nicht nur den Materialhaufen in meinem Zimmer, sondern auch den zusammengewürfelten Haufen Freizeitteamer) war natürlch „Katastrophenkommando“ von den damals sehr geschätzten Toten Hosen.
Als ich mir das Lied noch einmal anhörte, um meinen Ohrwurm loszuwerden, stockte ich bei: „Ob dir die ganze Welt gehört, oder ob du ein Niemand bist, ob schwarz oder weiß, wie auch immer du aussiehst, ob du 6 bist oder 60, … wenn du nicht mehr länger allein sein willst, bist du gern bei uns geseh’n… Und wenn du noch nichts vorhast, laden wir dich ein, auf einen Abend den du nie vergessen wirst, unser Ehrengast zu sein… .“

Spontan fühlte ich mich an Jesus und Zachäus erinnert. Jesus war egal, was Zachäus vorher gemacht hat oder wie er aussah, er lud ihn ein, Ehrengast zu sein.

Gerade diese Einladung, ohne die Frage nach der Vergangenheit, dieAufforderung zum Miteinander ohne Bedingungen fehlt mir manchmal in der Kirche. Dabei haben wir eigentlich das bessere Angebot. Bei uns geht es nicht nur um Feiern, sondern um Erlösung und um eine Gemeinschaft, die weit tiefer reicht, als die eines Zechkumpans je reichen kann.

Also, liebe Leserinnen und Leser, seid mutig und ladet andere ein. Gebt zu, dass ihr dazu gehört; nicht etwa zu einem elitären Zirkel, sondern zu einer einladenden Gemeinschaft, die jeden willkommen heißt – egal woher er oder sie kommt und auch „egal ob Mitglied oder nicht“.

*Wer sich das Lied im Original anhören möchte, kann dies auf der CD „Kauf mich“ von den Toten Hosen aus dem Jahr 1993 tun. Vielleicht gibt es auch auf youtube eine Version?

von: Wolfgang Loest

Relicamp

Relicamp (von @bcgie)

Am Freitag ging es los mit dem Relicamp. Zeitlich überschnitt sich das Barcamp in der erste Stunde mit der Internetreferentinnen und -refenrentenkonferenz. So kamen auch die ganz normalen Relicampteilnehmer in den Genuss des Hauptvortrags der Konferenz. Dieser drehte sich um die Probleme des Datenschutzes und stellte einige Lösungen vor.

Danach war nur noch Zeit für vier „Sessions“, also Einheiten in denen es einen Vortrag gibt, diskutiert oder anders an einem Thema gearbeitet wird, jeweils 2 gleichzeitig.
Es ergab sich, dass in dem einen Raum kirchliche SocialMedia-Konzepte diskutiert, in dem anderen die Projekte rpi-virtuell und Offene Bibel vorgestellt wurden.
Ich war in der Diskussion um die Strategie der Pfälzischen Landeskirche und konnte erfahren, wie die Strukturen, Zuständigkeiten und Freiheiten geregelt sind. Die Ev. Landeskirche in der Pfalz hat seit einigen Monaten eine 25%-Stelle für SocialMedia, die Mechthild Werner ausfüllt. Im Rahmen dieser Stelle bloggt sie über aktuelle Themen aus Landeskirche und EKD, wobei sie die Freiheit hat, auch mal kritische Fragen zu stellen. Diese persönliche Offenheit regt die Leserinnen und Leser zu einer offenen Diskussion an. Die Themen des Blogs werden meist abgesprochen, jedoch werden die Strukturen bewusst flach und klein (nur 3-4 Personen) gehalten. Auf Facebook und Twitter ist sie auch für die Pfälzer aktiv.
Im zweiten Block war ich selbst mit der Vorstellung der Offenen Bibel beschäftigt und konnte meine Zuhörer hoffentlich begeistern. Leider konnte ich so nicht der sicherlich spannenden Session zur SocialMedia-Strategie der Diözese Linz folgen.
Der zweite Tag war ein bunter Mix aus technischen, theoretischen und inhaltlichen Themen. Es ging unter anderem um das Überallinternet und speziell darauf abgestimmtes Webdesign, christliches Selbstbewusstsein im Internet, SocialMedia-Guidelines für Kirchen, SocialNetworks und Medienethik.

Twitterwall in der Kirche

Twitterwall in der Kirche (von @bussfoerare)

Der Sonntag fing nach dem gemeinsamen Frühstück mit einem Twittergottesdienst an, der vom Internetpfarrer der Rheinischen Kirche Ralf-Peter Reimann und dem Pfarrer der Gemeinde in dessen Kirche das Relicamp statt fand gehalten wurde. Ein Twittergottesdienst ist erstmal ein ganz normaler Gottesdienst, mit normaler Liturgie und gewohnten Liedern. Das besondere ist jedoch die Erweiterung der Gemeinde auf alle, die den Gottesdienst im Internet mitverfolgen. Damit die Kommunikation nicht einseitig bleibt, wie etwa in einem Fernseh- oder Radiogottesdienst, wird gut sichtbar eine sogenannte Twitterwall in der Kirche projeziert. Auf dieser Twitterwall tauchen dann alle Tweets der Online-Gemeinde auf. In unserem Fall konnte die ganze Gemeinde über Twitter (diejenigen in der Kirche mit Smartphone, Laptop oder Tablet und die Onlinegemeinde) und Zettel (die Gemeinde vor Ort ohne entsprechende Technik) ihre Gedanken zum Thema Beten (es war schließlich der Sonntag Rogate) und ihre eigenen Gebete in die Fürbitten einbringen. Zusätzlich wurden noch Teile der Liturgie, prägnante Sätze der Predigt und die Nummern der gesungenen Lieder (mit Link auf die Texte oder Videos) aus der Kirche in die Welt hinaus getwittert. Ihr merkt schon, es ist schwer zu beschreiben, mann muss es einfach erleben. Wer die Tweets nachlesen möchte, kann sie zumindest noch für kurze Zeit bei Twitter unter dem Hashtag #rctg12 finden. Im Gottesdienst wurde auch die auf dem Barcamp entwickelte Aktion 70Prozent gestartet.
Von diesem Erlebnis beeindruckt ging das Barcamp auch erst etwas später wieder in geordneten Bahnen weiter und löste sich langsam aus verschiedensten Termingründen auf. Die letzten Sessions drehten sich um ebooks, Kurz-URLs und „Rechtzeitig helfen“.
Man merkte instinktiv und auch oft sehr drastisch und konkret, dass die Diskussion um das Social Web abgeschlossen ist. Es geht nicht mehr darum ob Kirche auf Facebook und Twitter sein darf, es geht nun um Strategien und Best-Practice-Lösungen. Mitschriften zu vielen Sessions des Relicamps gibt es unter http://titanpad.com/relicamp12.
Jetzt heißt es für mich erstmal: Eindrücke wirken lassen, Ideen sacken lassen, vom vielen Mit- und Nachdenken erholen und mich auf nächstes Jahr freuen.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Dass die Welt klein ist und durch das Internet noch weiter zusammen wächst merkte ich daran, dass sich ausgerechnet ein Lipper auf Twitter mit einer Österreicherin und einem Frankfurter unterhielt, die direkt neben mir saßen.

Wer mehr über das Relicamp erfahren möchte kann hier weiter lesen:

von Wolfgang Loest

Choraltag

Durch einen Zufall bin ich in die Schulungsarbeit des MBK gekommen und habe vor Ostern das dritte Mal einen JuLeiCa-Kurs mitgeteamt. Das Team war toll, die Teilnehmer waren supermotiviert und die Inhalte waren wie immer wichtig und praxisorientiert. Kurz vorher habe ich mich aber wieder einmal gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. In der Examensvorbereitung sollte man eigentlich keine ganze Woche in ein nicht prüfungsrelevantes Thema stecken und mitten drin auch keine Sonntags-Predigt halten, die nicht zum Examen gehört.

Spätestens am zweiten Tag der Schulung wusste ich wieder ganz genau, warum ich dort war. Wenn man nur noch am Computer und vor seinen Lernkarten hockt, dann verliert man den Blick aufs Wesentliche. Ich habe nicht jahrelang Theologie studiert um geistlich ausgebrannt ein Examen zu bestehen und um einen akademischen Grad zu erlangen. Ich habe das Studium angefangen um Gemeindepfarrer zu werden, um Menschen von Gott zu erzählen und um sie für den christlichen Glauben zu begeistern.

Auf diesem JuLeiCa-Grundkurs  (den ich selbst vor etlichen Jahren als Teilnehmer bei der Zentrale für Jugendarbeit in der Lippischen Landeskirche genossen habe) gab es regelmäßig Andachten und es wurde viel gesungen. Wie schon in den Praktika während des Studiums gingen mir die Melodien und der Text vieler Lieder nicht mehr aus dem Kopf und ich wachte jeden Morgen mit einem Choral auf den Lippen auf. Da ich Ohrwürmer nur schwer unterdrücken kann, werden all jene Tage an denen ich frühmorgens Kirchenlieder schmettere, von meiner Verlobten liebevoll Choraltage genannt. Diese Tage sagen aber nicht nur etwas über meinen Umgang mit Ohrwürmern aus, sondern auch darüber, wie sehr mein geistlicher Akku aufgeladen ist.

Die Schulung hat genau das bewirkt, sie hat den geistlichen Akku aufgeladen und mir einen Motivationsschub für das Studienende verpasst. Die Teilnehmer konnten nicht nur von mir in den Lerneinheiten etwas mitnehmen (wollen wir’s hoffen), sondern sie haben mir auch etwas zurück gegeben. Choraltage am laufenden Band, Praxis in der Theoriewüste, einen vollen Akku.

Was lädt euren geistlichen Akku auf? Habt ihr auch Choraltage?

 

von: Wolfgang Loest