Relicamp

Relicamp (von @bcgie)

Am Freitag ging es los mit dem Relicamp. Zeitlich überschnitt sich das Barcamp in der erste Stunde mit der Internetreferentinnen und -refenrentenkonferenz. So kamen auch die ganz normalen Relicampteilnehmer in den Genuss des Hauptvortrags der Konferenz. Dieser drehte sich um die Probleme des Datenschutzes und stellte einige Lösungen vor.

Danach war nur noch Zeit für vier „Sessions“, also Einheiten in denen es einen Vortrag gibt, diskutiert oder anders an einem Thema gearbeitet wird, jeweils 2 gleichzeitig.
Es ergab sich, dass in dem einen Raum kirchliche SocialMedia-Konzepte diskutiert, in dem anderen die Projekte rpi-virtuell und Offene Bibel vorgestellt wurden.
Ich war in der Diskussion um die Strategie der Pfälzischen Landeskirche und konnte erfahren, wie die Strukturen, Zuständigkeiten und Freiheiten geregelt sind. Die Ev. Landeskirche in der Pfalz hat seit einigen Monaten eine 25%-Stelle für SocialMedia, die Mechthild Werner ausfüllt. Im Rahmen dieser Stelle bloggt sie über aktuelle Themen aus Landeskirche und EKD, wobei sie die Freiheit hat, auch mal kritische Fragen zu stellen. Diese persönliche Offenheit regt die Leserinnen und Leser zu einer offenen Diskussion an. Die Themen des Blogs werden meist abgesprochen, jedoch werden die Strukturen bewusst flach und klein (nur 3-4 Personen) gehalten. Auf Facebook und Twitter ist sie auch für die Pfälzer aktiv.
Im zweiten Block war ich selbst mit der Vorstellung der Offenen Bibel beschäftigt und konnte meine Zuhörer hoffentlich begeistern. Leider konnte ich so nicht der sicherlich spannenden Session zur SocialMedia-Strategie der Diözese Linz folgen.
Der zweite Tag war ein bunter Mix aus technischen, theoretischen und inhaltlichen Themen. Es ging unter anderem um das Überallinternet und speziell darauf abgestimmtes Webdesign, christliches Selbstbewusstsein im Internet, SocialMedia-Guidelines für Kirchen, SocialNetworks und Medienethik.

Twitterwall in der Kirche

Twitterwall in der Kirche (von @bussfoerare)

Der Sonntag fing nach dem gemeinsamen Frühstück mit einem Twittergottesdienst an, der vom Internetpfarrer der Rheinischen Kirche Ralf-Peter Reimann und dem Pfarrer der Gemeinde in dessen Kirche das Relicamp statt fand gehalten wurde. Ein Twittergottesdienst ist erstmal ein ganz normaler Gottesdienst, mit normaler Liturgie und gewohnten Liedern. Das besondere ist jedoch die Erweiterung der Gemeinde auf alle, die den Gottesdienst im Internet mitverfolgen. Damit die Kommunikation nicht einseitig bleibt, wie etwa in einem Fernseh- oder Radiogottesdienst, wird gut sichtbar eine sogenannte Twitterwall in der Kirche projeziert. Auf dieser Twitterwall tauchen dann alle Tweets der Online-Gemeinde auf. In unserem Fall konnte die ganze Gemeinde über Twitter (diejenigen in der Kirche mit Smartphone, Laptop oder Tablet und die Onlinegemeinde) und Zettel (die Gemeinde vor Ort ohne entsprechende Technik) ihre Gedanken zum Thema Beten (es war schließlich der Sonntag Rogate) und ihre eigenen Gebete in die Fürbitten einbringen. Zusätzlich wurden noch Teile der Liturgie, prägnante Sätze der Predigt und die Nummern der gesungenen Lieder (mit Link auf die Texte oder Videos) aus der Kirche in die Welt hinaus getwittert. Ihr merkt schon, es ist schwer zu beschreiben, mann muss es einfach erleben. Wer die Tweets nachlesen möchte, kann sie zumindest noch für kurze Zeit bei Twitter unter dem Hashtag #rctg12 finden. Im Gottesdienst wurde auch die auf dem Barcamp entwickelte Aktion 70Prozent gestartet.
Von diesem Erlebnis beeindruckt ging das Barcamp auch erst etwas später wieder in geordneten Bahnen weiter und löste sich langsam aus verschiedensten Termingründen auf. Die letzten Sessions drehten sich um ebooks, Kurz-URLs und „Rechtzeitig helfen“.
Man merkte instinktiv und auch oft sehr drastisch und konkret, dass die Diskussion um das Social Web abgeschlossen ist. Es geht nicht mehr darum ob Kirche auf Facebook und Twitter sein darf, es geht nun um Strategien und Best-Practice-Lösungen. Mitschriften zu vielen Sessions des Relicamps gibt es unter http://titanpad.com/relicamp12.
Jetzt heißt es für mich erstmal: Eindrücke wirken lassen, Ideen sacken lassen, vom vielen Mit- und Nachdenken erholen und mich auf nächstes Jahr freuen.

Eine kleine Anekdote zum Schluss: Dass die Welt klein ist und durch das Internet noch weiter zusammen wächst merkte ich daran, dass sich ausgerechnet ein Lipper auf Twitter mit einer Österreicherin und einem Frankfurter unterhielt, die direkt neben mir saßen.

Wer mehr über das Relicamp erfahren möchte kann hier weiter lesen:

von Wolfgang Loest

Advertisements

Die Kirche im Sozialen Netz

Morgen fahre ich nach Frankfurt. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn ich bin öfters unterwegs. Doch dieses Wochenende ist etwas Besonderes in Frankfurt los. Das Relicamp findet von Freitag bis Samstag in der Ev. Kirchengemeinde Frieden und Versöhnung statt. Diese Veranstaltung, ein sog. Barcamp, findet zum dritten Mal statt um Menschen zusammen zu bringen, die sich mit Kirche, Internet und Social Media beschäftigen.

Darunter sind nicht nur die Macher von evangelisch.de und rpi-virtuell.net, sondern auch ganz normale Pfarrerinnen und Pfarrer, die das Internet als Tummelplatz ihrer Gemeinde erleben. Ein wichtiges Thema wird in diesem Jahr die Frage nach Richtlinien für die Kommunikation im Internet von Hauptamtlichen sein, sogenannte Social Media Guidelines, sein. Dort werden sowohl rechtliche als auch Stilfragen geklärt. Beispielsweise, ob ein Hauptamtlicher auch mit einem Pseudonym im Internet unterwegs sein darf, oder was er in die breite Internetöffentlichkeit tragen darf und was nicht.

Daneben wird es viele technische und inhaltliche Themen geben, wie etwa Webdesign, Ebooks, Verkündigung und Mission im Internet, Befreiungstheologie und Netzpolitik. Allesamt Themen die auch für unsere Kirche wichtig sind und vermutlich noch weit wichtiger werden.

Meinen Teil werde ich zum Relicamp beitragen, indem ich über die Offene Bibel informieren und ein neuartiges Soziales Netzwerk vorstellen werde, das sehr viel Wert auf Privatsphäre legt und trotzdem mit Facebook verbunden werden kann. Es kann nämlich sehr schnell Probleme geben, wenn man bspw. im Konfirmandenuntericht mit Facebook arbeiten möchte, aber nicht alle angemeldet sind. Wie könnte denn ein Pfarrer einem Jugendlichen einen Vertrag mit einem amerikanischen Unternehmen aufschwatzen, das dazu noch für seinen laxen Umgang mit privaten Daten bekannt ist?

Wenn euch das Thema interessiert, gebt mal Rückmeldung, dann schreibe ich dazu noch einen ausführlicheren Beitrag. Wenn euch das Thema Social Media und Internet zum Hals raushängt, sagt auch Bescheid und schreibt am besten selbst mal in diesem Blog (egal ob es ein Meinungsbeitrag zu einer Veranstaltung, ein Erlebnis, ein Gedanke aus einer gehörten oder gehaltenen Predigt oder ein rein theologischer Beitrag ist), im Moment bin ich ja eher selten in Lippe. 🙂

 

von: Wolfgang Loest

Jugendkonvent: Verhaltenskodex für soziale Netzwerke


Der Jugendkonvent vertritt die evangelischen Jugendgruppen in der Lippischen Landeskirche. Jede Gemeinde ist berechtigt, jeweils zwei Delegierte zu den Vollversammlungen zu benennen.

Vor einigen Wochen tagte der Jugendkonvent in der Jugendbildungsstätte Kupferberg. Das Thema der Vollversammlung waren diesmal SocialNetsworks und Facebook im Besonderen. Wie lippische-landeskirche.de berichtete, wurde am Ende ein Kodex für die Nutzung von Sozialen Netzwerken erstellt. Moderiert hat das Thema und die Erstellung des Kodex der 24-jährige Philipp Meyer, der seit 2008 im Leitungsteam des Jugendkonvents arbeitet.

Wie kommst du dazu, dich so viel mit SocialMedia zu beschäftigen?

Philipp: Mit den sozialen Medien bin ich sehr stark durch mein Studium an der Hochschule Ostwestfalen-Lippe in Berührung bekommen. Wir haben bei facebook eine Semestergruppe über die wir uns gegenseitig austauschen, helfen und informieren. Natürlich verfolgt man dann noch intensiver die Netz- und Mediendebatten über Datenschutz- und -sicherheit in sozialen Netzwerken und beginnt sich mit der Zeit auch zu Fragen wie stark man selber davon betroffen ist und wie man sich schützen kann.

Wo siehst du die größten Chancen und wo die größten Risiken von Social Networks?

Philipp: Soziale Netzwerke wie facebook, G+, etc. bringen Leute auf jeden Fall zusammen. Sei es, dass man mit entfernten Freunden in anderen Ländern in Kontakt bleiben kann, sich gegenseitig schnell und einfach informiert oder kollaborativ versucht an Projekten zu arbeiten. Gefährlich sind soziale Netzwerke, durch die Menge an Daten sie von uns erhalten. Im Augenblick wird viel gemutmaßt was mit diesen Daten passiert. Sicher ist, dass im großen Stil Daten über uns ausgewertet und verarbeitet werden, zum Teil sogar über Menschen und Personen die gar nicht bei solchen Netzwerken angemeldet sind. Was würde passieren, wenn diese Daten alle öffentlich zugänglich gemacht werden? Sie vielleicht an Geheimdienste oder Firmen verkauft werden? Klingt ein bisschen nach Paranoia, ist zum Teil aber schon real. Hinzu kommt die oft unterschätze Gefahr von Cybermobbing. Leider gibt es Menschen die sich deshalb schon umgebracht haben.

Wie kam das LT zum Thema? Gab es einen aktuellen Anlass?

Philipp: Es war der Wunsch der Delegierten sich bei einer VV mit diesem Thema zu beschäftigen.

In der kirchlichen Social Media-Szene sind gerade Social Media Guidelines (für den professionellen Einsatz) ein heißes Thema. Ihr habt auf der VV einen Kodex für die Nutzung von Social Networks erstellt. Wer soll sich daran halten?

Philipp: Am liebsten wäre es uns natürlich, wenn sich jeder an diesen Kodex halten würde. Er ist nicht nur speziell für die kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen entstanden, sondern für alle die im Netz unterwegs sind.

Ihr schreibt im Kodex, dass jeder die Privatsphäre der anderen achten soll. Ist die gefährdete Privatsphäre eher ein Problem untereinander oder gegenüber Facebook und anderen Netzanbietern?

Philipp: Ich denke es trifft beides. Zum einen werden natürlich alle Daten in sozialen Netzwerken ersteinmal beim Diensteanbieter gesammelt. Teilweise sind die Einstellungen in den Profilen im Standard so voreingestellt, dass man via google etc. alles über die Person erfahren kann, was man will. Aber auch untereinander ist das wichtig. Wer hat im realen Leben schon 500 „Freunde“??? Jeder Freund erfährt dann so gut wie alle Details über mich (außer ich stelle mein Profil für ihn anders ein, aber wer macht das schon?). Abgesehen davon posten wir ja so ziemlich alles. Gelesen habe ich bei meinen (es sind nur knapp 80 Freunde bei facebook) so ziemlich alles. Von „ich bin besoffen“, „ich geh jetzt kacken“ bis hin zu intimen Details mit wem er/sie am Wochenende im Bett lag. Denkt bitte nach bevor ihr postet!!!

Würdest du jemand empfehlen sich bei Facebook zu registrieren?

Philipp: Schwierige Sache. Aber prinzipiell würde ich ja sagen. Vorrausgesetzt der oder die jenige stellt ihr Profil so ein, dass nicht jeder alle Daten lesen kann und überlegt sich immer gut was er inner- und außerhalb des sozialen Netzwerkes so treibt. Das Netz vergisst nie etwas!

Danke für das Interview!

Verhaltenskodex für soziale Netzwerke – Gegen Mobbing!
– Beschluss der Vollversammlung des Jugendkonventes vom 15. Apr. 2012 –

  1. Ich pflege einen respektvollen Umgang im Netz, denn nicht jeder denkt und fühlt so wie ich.
  2. Ich achte auf die Privatsphäre aller und respektiere sie. Auch meine eigene.
  3. Ich bin mir bewusst, dass mein Handeln immer Konsequenzen hat.
  4.  Ich bleibe echt und authentisch.
  5. Ich trage Konflikte nie im Netz aus.
  6. Ich beteilige mich nicht an Lästereien im Netz.
  7. Ich suche oder biete meine Hilfe an, wenn ich Mobbing im Internet wahrnehme.
  8.  Ich poste positives, anstatt negatives und denke darüber nach wie andere meine Postings wahrnehmen und interpretieren.
  9. Ich handele bei Mobbing sofort, aber nicht überstürzt.
  10. Ich speichere Postings, Screenshots, Verläufe, … ab, um Mobbing zu bekämpfen.