Ökumene der Landeskirchen

…der Konfessionen und der europäischen Kirchen.

Es ist noch gar nicht so lange her, da konnte ein lutherischer Pfarrer nicht einfach so auf die Kanzel einer reformierten Kirche steigen und predigen. Auch das Abendmahl durfte nicht von einem reformierten Pfarrer in einer lutherischen Gemeinde eingesetzt werden.
Selbst in der unierten Evangelischen Kirche im Rheinland traute man der anderen evangelischen Konfession nicht über den Weg. Meine Mutter – eine gebürtige Wuppertalerin – kann sich noch daran erinnern, wie in ihrer Kindheit hinter vorgehaltener Hand über eine ihrer Tanten getuschelt wurde, als gehöre sie einer Sekte an: „Die geht in die Gemarke, die ist REFORMIERT!“

Ich, als nach 1973 geborener und in frühester Kindheit eingelipperter Mensch, kann mir so etwas heute kaum noch vorstellen. In Lippe leben beide Konfessionen miteinander in einer Landeskirche und kommen die meiste Zeit gut miteinander aus. Und sogar den ein oder anderen Pfarrer hat man die Seiten wechseln gesehen. Wenn Gottesdienstvertretungen anstehen, schaut man natürlich zuerst in seiner eigenen Klasse (und damit bleibt es erstmal bei der eigenen Konfession), aber auch wenn das mal nicht klappt, ist das heutzutage kein Beinbruch mehr.

1973 wurde die sogenannte Leuenberger Konkordie fertiggestellt und von vielen europäischen Kirchen unterzeichnet. Dieses Dokument stellt fest, dass Lutherander, Reformierte und Unierte einen gemeinsamen Grund des Glaubens haben: Gott rechtfertigt uns (vergibt uns unsere Schuld) allein, weil wir glauben. Dieser Glaubensgrund äußert sich zwar in den Konfessionen unterschiedlich, z.B. durch ein anderes Abendmahlsverständnis, aber dieser Ausdruck des Glaubensgrunds steht einer Abendmahlsgemeinschaft nicht (mehr) im Wege.

Zugegeben, heute kommt es in unserer Landeskirche durchaus vor, dass man nicht weiß, ob man lutherisch oder reformiert ist. Der mittlerweile erschallende Ruf nach mehr Profilschärfe ist sicherlich nicht verkehrt, denn mit einen reformierten Gottesdienst (schlicht und ganz auf die Predigt zentriert) und einen lutherischen Gottesdienst (mit komplett gesungener Liturgie und Abendmahl) kann man sehr viel mehr unterschiedliche Menschen ansprechen. Trotzdem ist es doch wunderbar, dass man sich nicht mehr als Kirchgänger überlegen muss, ob man in der Kirche in der man gerade sitzt zum Abendmahl gehen darf und als Kirchenvorstand ob der Pfarrer überhaupt auf der eigenen Kanzel predigen darf.

Ein bisschen Lokalpatriotismus kann ich mir zum Schluss nicht verkneifen (auch wenn ich nur ein „Beutelipper“ bin): Die Lippische Landeskirche hat die Leuenberger Konkordie als allererste Kirche unterzeichnet.

Eine Frage noch an die älteren Leser: War die Konfessionszugehörigkeit vor den 70er-Jahren auch in Lippe ein so heikles Thema wie in Wuppertal?

 

von: Wolfgang Loest

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Choraltag

Durch einen Zufall bin ich in die Schulungsarbeit des MBK gekommen und habe vor Ostern das dritte Mal einen JuLeiCa-Kurs mitgeteamt. Das Team war toll, die Teilnehmer waren supermotiviert und die Inhalte waren wie immer wichtig und praxisorientiert. Kurz vorher habe ich mich aber wieder einmal gefragt, warum ich mir das eigentlich antue. In der Examensvorbereitung sollte man eigentlich keine ganze Woche in ein nicht prüfungsrelevantes Thema stecken und mitten drin auch keine Sonntags-Predigt halten, die nicht zum Examen gehört.

Spätestens am zweiten Tag der Schulung wusste ich wieder ganz genau, warum ich dort war. Wenn man nur noch am Computer und vor seinen Lernkarten hockt, dann verliert man den Blick aufs Wesentliche. Ich habe nicht jahrelang Theologie studiert um geistlich ausgebrannt ein Examen zu bestehen und um einen akademischen Grad zu erlangen. Ich habe das Studium angefangen um Gemeindepfarrer zu werden, um Menschen von Gott zu erzählen und um sie für den christlichen Glauben zu begeistern.

Auf diesem JuLeiCa-Grundkurs  (den ich selbst vor etlichen Jahren als Teilnehmer bei der Zentrale für Jugendarbeit in der Lippischen Landeskirche genossen habe) gab es regelmäßig Andachten und es wurde viel gesungen. Wie schon in den Praktika während des Studiums gingen mir die Melodien und der Text vieler Lieder nicht mehr aus dem Kopf und ich wachte jeden Morgen mit einem Choral auf den Lippen auf. Da ich Ohrwürmer nur schwer unterdrücken kann, werden all jene Tage an denen ich frühmorgens Kirchenlieder schmettere, von meiner Verlobten liebevoll Choraltage genannt. Diese Tage sagen aber nicht nur etwas über meinen Umgang mit Ohrwürmern aus, sondern auch darüber, wie sehr mein geistlicher Akku aufgeladen ist.

Die Schulung hat genau das bewirkt, sie hat den geistlichen Akku aufgeladen und mir einen Motivationsschub für das Studienende verpasst. Die Teilnehmer konnten nicht nur von mir in den Lerneinheiten etwas mitnehmen (wollen wir’s hoffen), sondern sie haben mir auch etwas zurück gegeben. Choraltage am laufenden Band, Praxis in der Theoriewüste, einen vollen Akku.

Was lädt euren geistlichen Akku auf? Habt ihr auch Choraltage?

 

von: Wolfgang Loest

Zukunftsmusik und Gegenwartsblues

„Kirchen sind rückständig, schauen nur nach hinten und leben in der Vergangenheit.“ Solche Vorurteile hört man hin und wieder, besonders von  „kirchenfernen“ Menschen.

In der Tat ist es manchmal so, dass gerade technische Neuerungen nur langsam Einzug in die Kirchen halten. Bis das E-Mail-Abrufen im Alltag des Durchschnitts-Pfarrers einzog, vergingen schon einige Jahre. Bei manchen hat sich die E-Mail bis heute nicht als normales Kommunikationsmittel neben anderen etabliert. Dass das bei weitem nicht überall so ist, zeigen bloggende Pfarrer, twitternde Pfarrinnen (eine Liste gibt es hier) und facebookunterstützter Konfi-Unterricht. Wenn man die Sätze wie „Menschen da abholen wo sie stehen“ oder „das Evangelium allem Volk predigen“ ernst nehmen will, dann ist es zumindest nicht von Nachteil auch im Internet präsent zu sein. Natürlich gibt es hier manch absonderliche Fallstricke und rechtliche Hürden, aber die gibt es auch im physischen Leben.

Was euch hier erwartet? Nichts Offizielles, eigene Meinungen, das SocialMedia-typische „Du“, Kommentarmöglichkeit (selbstverständlich, oder?), lippische Innenansichten aus Kirche und Diakonie, Bilder aus Lippe, Liveblogging von Synoden, Links auf spannende Blogs und Artikel, und vieles mehr.

Dieses Blog soll die Lücke zwischen offizieller Internetseite der Landeskirche und dem Social Web schließen, denn im Bereich der SocialMedia ist die Landeskirche leider noch nicht wirklich breit aufgestellt. Hier wird also fleißig ausprobiert und getestet, was geht und was nicht. Wenn du kirchlich aktiv bist und mitbloggen möchtest, melde dich einfach bei uns!

PS: Wir sind auch bei Twitter aktiv!

PPS: Eine besondere Veranstaltungsempfehlung für Web 2.0 Enthusiasten: das Relicamp in Frankfurt am Main.

Sei Willkommen

„Sei willkommen. Du bist hier gern gesehen. Wir begrüßen dich mit Liedern, guten Gedanken und Wünschen in unserer Mitte und nehmen dich in Gottes Namen in die Kirche, in die Familie Gottes auf. Immer soll für dich eine Tür offenstehen: die Tür zur Kirche, die Tür zu Gott, die Tür zum Leben. Immer sollst du einen Platz finden, mitten unter und im Leben bei Gott. Keinen Augenblick, im Leben nicht und im Sterben nicht wirst du allein sein.“
(aus der Liturgie der Kindertaufe)